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Freitag, den 03. Dezember 2010 um 22:32 Uhr

Banken sind sozial – wenn du es willst.

Geschrieben von  connormarc

Es gibt Menschen, die halten den Bank-Mikrospenden-Gedanken für wahrhaft komplex.

 

Allein die Vorstellung, dass es irgendeiner Bank irgendwann möglich sein könnte, einen Kontostand elektronisch zu erfassen, daraufhin eine Cent-Mikrospende zu ermitteln und diese auf ein Sammelkonto zu buchen sprengt die Vorstellungskraft vieler bzw. der meisten Menschen, mit denen ich spreche.

 

 

 

 

 

Nehmen wir mal an, die Vorstellung von dem was „Bank“ war, ist und sein wird (oder auch sein kann) schließt tatsächlich einen Gedanken, wie den der automatischen, regelmäßigen Kleinspende kategorisch aus. Was bedeutet das und wie kann man Aussagen, wie z.B.

 

„Ja die Banken sind eben so“ oder

 

„So sind eben die Banken“ oder

 

„Eben deshalb sind es ja gerade Banken“ oder

 

„Typisch Banken, ist doch klar“


deuten und einordnen? Das so oft und so intuitiv Ausgesprochene scheint auf ein äußerst widersprüchliches oder ambivalentes Beziehungsgeflecht zwischen Kunden und ihren Banken zu verweisen. Auf das Engste verwoben, als nahezu symbiotische Verbindung akzeptiert, dies aber bei gleichzeitiger Festschreibung der jeweiligen Rollen bis hin zur weitestgehend unhinterfragten Akzeptanz des Status Quo. Es geht um Geld, Sicherheit und Kontrolle. Im Grunde geht es um die Existenz, um Leben und um Tod.

 

Ich bin der Ansicht: Wir sind nicht die Bank. Die Bank ist die Bank, mit all ihren nach außen transportierten und kommunizierten Eigenarten, Angeboten, Wertvorstellungen, Ansichten über „ihre“ Kunden, Annahmen über deren Präferenzen, Bedürfnisse, Ängste usw.

 

Wir sind nicht die Bank, könnten mehr davon sein aber wahrscheinlich werden wir sie niemals sein.

 

Oder etwas weniger allgemein: Ich bin nicht die Bank und ich bin es so lange nicht, so lange ich nicht einen wenn auch nur elektronenmikroskopisch kleinen, eigenen Geistesbeitrag von mir im System entdecken kann. Aber mein Geld ist die Bank, sofern man unterstellt, dass Geld in irgendeiner Form „neutral“ ist. Ich bin nicht die Bank. Außer meinem Geld entdecke ich wirklich nichts von mir in diesem System. Nichts.

 

Und trotzdem kennen die meisten Menschen, mit denen ich spreche, Banken scheinbar ganz genau bzw. glauben zu wissen, was für Kreditinstitute denn so „typisch“ und völlig „normal“ ist. Viele glauben auf der anderen Seite auch zu wissen, was für Banken „völlig undenkbar“, „nicht realisierbar“ oder „unmöglich“ ist. Warum gibt es bzw. woher kommen diese kollektiven Vorstellungen oder Phantasien?

 

Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit öfters mal.

 

Aber es gibt eine gute Nachricht und ich bin nur einer von Vielen, der sie loswerden darf. Sie lautet:

 

Banken werden in Zukunft sehr wahrscheinlich die Bedürfnisse ihrer Kunden vermehrt in den Mittelpunkt stellen! Damit also auch die Ihrigen.

 

Dies zeichnet sich in Anfängen bereits heute schon ab. Und auch wenn lange noch nicht alle Banken twittern oder sich Facebook gegenüber öffnen: Ich denke, irgendwann werden es ALLE sein. Wenn man sich jetzt fragt, warum eine Bank jeden Tag 140 Zeichen aufwärts unter die Menschen bzw. Bankkunden bringt, dann könnte die Antwort darauf lauten:

 

Weil es ein Bedürfnis der Menschen zu sein scheint, über Twitter und Facebook zu kommunizieren, warum also nicht auch mit ihrer Bank? Und die Banken reagieren, wenn auch in ganz unterschiedlicher Intensität und Geschwindigkeit.

 

Wenn es also (oberflächlich betrachtet) darum geht, Kundenbedürfnisse zu erfüllen, dann brechen scheinbar „goldene“ Zeiten für Bankkunden an.

 

Ich würde gerne noch einen Schritt weiter gehen:

 

Was sind denn eigentlich Bedürfnisse von Bankkunden, mal ganz abgesehen von „sozialen“ Bedürfnissen, die ja mit einem regen Facebook und Twitter-Engagement nun schon ansatzweise gedeckt zu werden scheinen?

 

Eine zeitgemäßere Filiale mit Lounge, Musik, einem überdimensionalen Touch n` Multimedia-Monitor und Ledersofas? Bitteschön, auch das ist möglich. Ich müsste mich schwer täuschen, wenn Banken in naher und mittlerer Zukunftsrechnung die Bedürfnisse ihrer Kunden nicht weitaus deutlicher in den Mittelpunkt stellen als das bisher der Fall war.

 

Und was hat das jetzt alles mit Spenden bzw. Bank-Mikrospenden zu tun?

 

Hierzu eine vage These: Automatische Mikrospenden für gemeinnützige Organisationen in seiner Region und in Kooperation mit seiner Bank zu spenden ist kein Bedürfnis von Bankkunden, das so ausgeprägt ist, dass Banken auch nur mal für kurze Zeit aufhorchen. Keine Bank muss sich in irgendeiner Form für Mikrospenden interessieren.

 

Ich nehme weiterhin an: Automatisches und regelmäßiges Bank-Mikrospenden stellt, noch dazu bei jungen Menschen, keinen auch nur im Ansatz etablierten Wert dar. Viel zu viele, aus der Psychologie und Organisationssoziologie bekannte Begriffe, wie z.B. Verantwortungsdiffusion stehen hier, meiner Meinung nach, einer breitenwirksamen Bedürfnisentwicklung lästig und sperrig im Weg herum. Wenn dem nicht so wäre, lägen die Dinge zumindest in unseren Breitengraden etwas anders.

 

Das ist eigentlich schade, denn tatsächlich scheint es so zu sein, dass es noch nie eine größere Chance gab, menschliche Bedürfnisse von seiner Bank erfüllt zu bekommen als heutzutage – vorausgesetzt, dies liegt erst einmal als Bedürfnis vor, wird kollektiv als solches formuliert und, was vielleicht noch wichtiger ist, artikuliert. Frei nach Lennon und Yoko Ono könnte man heute sogar behaupten:

 

Banken sind sozial – wenn du es willst.

 

Und was, wenn das niemand oder nur wenige wirklich wollen? Gibt es überhaupt einen Ausweg aus dem Dilemma?

 

Zu dieser Frage ist mir bis heute noch kein aussagekräftigeres Zitat als das von Armin Grunwald (2003) begegnet:

 

"Gesellschaftliche Werte und Normen werden durch neue Technik herausgefordert und möglicherweise verändert. Technik kann gesellschaftlich akzeptiert werden, auch wenn sie zunächst mit Werten kollidiert, wenn nämlich durch Technik gerade diese Werte verändert werden"

 

Meiner Meinung nach impliziert diese Einschätzung, dass nicht etwa nur eine große, wenn nicht riesige Masse an Bankkunden dafür verantwortlich sein kann, dass sich feste, vielleicht sogar starre Strukturen lockern und Verhältnisse verändern, sondern dass eben gerade auch Banken hier den ersten Schritt machen könn(t)en, um gezielt eine evtl. gewünschte Werteentwicklung zu fördern.

 

Das technische „Werkzeug“ hierfür haben sie jedenfalls in Reichweite.

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