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Mittwoch, den 22. Dezember 2010 um 22:17 Uhr

Was war zuerst da? Bank – Ei – Rechenzentrum – Kunde oder Henne?

Geschrieben von  connormarc

Ich stelle diese Frage ganz bewusst, denn es ist für mich die vielleicht zentralste Frage bzgl. „Social-Banking“ (wobei ich unter „Social-Banking“ insbesondere auch eine technikpartizipative Einbindung von Bankkunden verstehe). Die gute Nachricht zuerst: Sie wollen evtl. bei ihrer nächsten Onlinebanking-Sitzung, parallel zu ihren Transaktionen, Tetris daddeln? Kein Problem!

 

 

 

Der Weg zum Ziel:

 

Finden und aktivieren sie einige tausend Bankkunden derselben Bank, die genau dasselbe wollen und aktivieren bzw. motivieren sie diese so stark, dass sie mit ihrem (Tetris)Anliegen bei ihrer Bankfiliale vorsprechen.

 

Vorausgesetzt, die Bank ist von soviel Bedarf und Engagement überzeugt, dann liegt es nun an ca. 100-120 Banken der Bankengruppe, das (Tetris)Anliegen an das zuständige Rechenzentrum weiterzuleiten.

 

Von soviel Bedarf und Engagement hoffentlich reichlich aufmerksam und neugierig geworden besteht die Chance, das Rechenzentrum greift den Vorschlag auf und siehe da: Vielleicht stapeln schon bald viele Menschen die bunten Tetrissteinchen während ihrer Bankgeschäfte aufeinander.

 

Willkommen in der Welt der Innovationen von und mit Bank-Rechenzentren.

 

Nun die schlechte Nachricht:

 

Während das (Tetris)Anliegen vielleicht im Falle einer Nichtrealisierung noch verschmerzbar ist bin ich der Meinung, dass es Themen / Innovationen gibt, die ebenfalls nie ihren Weg oder Einzug in die Rechenzentralen finden, da sie nicht gerade eine „Massenbewegung“ hervorrufen. Aber sind es deshalb weniger interessante oder bedenkenswerte Innovationen? Und wie sind dann Zitate wie dieses einzuordnen:

 

„Gesellschaftliche Werte und Normen werden durch neue Technik herausgefordert und möglicherweise verändert. Technik kann gesellschaftlich akzeptiert werden, auch wenn sie zunächst mit Werten kollidiert, wenn nämlich durch Technik gerade diese Werte verändert werden" (Grunwald 2003: S.10)

 

Seit heute ziert ein Statement eines Rechenzentrums die Startsite von mikrospender.de, das folgende Fragen aus erster Hand beantwortet:

 

Auf welchem Wege entstehen neue IT-Produkte bzw. Innovationen im Bankwesen? Wer regt diese an? Woher kommen die Impulse?

 

Damit keine Inhalte auf der Strecke bleiben, hier das Statement des Sprechers in Textform:

 

„Was wir als Rechenzentrale anbieten können, ist eigentlich: Zuhören.


Denn der erste Schritt in der Produktentstehung ist letztendlich ihre Anforderungen, d.h. wenn wir als Dienstleister im IT-Bereich ihnen ein Angebot machen sind wir immer sehr sehr vorsichtig damit das Geld anderer Leute auszugeben.


Das heißt: Bevor wir komplett ein Produkt neu entwickeln und integrieren möchten wir sicher sein, dass die Kunden das auch wünschen.


Bedarfe wecken, dafür machen wir das hier aber ein Produkt fertig zu machen um dann zu gucken ob es funktioniert – das ist nicht unser Prinzip zu arbeiten.


Sondern wir wollen Ihnen Informationen und Impulse geben, auch hier auf dieser Messe, an vielen Orten und vielen Ständen, um uns die Anforderungen zu geben und zu kommunizieren: Hey das ist super, das gefällt uns. Wie können wir das tun das wir das jetzt nutzen können? Und damit meine ich dann auch natürlich die Prozesse, die nicht technologie-gebunden sind, also nicht techniklastig sondern mehr organisatorisch und ich würde sogar sagen: persönlich.


Zum anderen dann natürlich sehen, das ist unser Job als Rechenzentrale, nach dem Impuls, nach ihrer Anforderung ein Pflichtenheft letztlich zu schreiben: OK, was ist als Technologie, als Technologieplattform dafür notwendig und wie können wir ihnen das am preiswertesten zur Verfügung stellen.


Und da gilt natürlich auch das Genossenschaftsprinzip: Je mehr mitmachen, desto preiswerter wird es."

 

Soviel zum Statement aus dem Rechenzentrum. Das Video findet sich hier auf der Startsite.

 

 

Zusammenfassend stelle ich zweierlei fest:

 

Social-Banking inkl. Technikpartizipation ist möglich, wenn es Bankkunden wollen. Wie viele Bankkunden es wollen sollen? Viele! Sehr sehr Viele... Vielleicht könnte man ja im Zuge dieser Massenbewegung dann auch gleich ein paar andere Dinge mit auf den Weg bringen, wenn man schon so zahlreich dabei ist. Oder gibt es diese Bewegung etwa gar nicht?

 

Bank-Rechenzentren haben die Möglichkeiten, erste Schritte zu unternehmen und mit Produktinnovationen den Weg zu einem technikpartizipativen „Social-Banking“ zu ebnen, auf das dieser von möglichst zahlreichen Bankkunden mitgegangen wird, Wertebildung auf dem Weg inklusive. Etwas Mut gehört allerdings dazu, diesen Schritt zu unternehmen. Leider sind Rechenzentren i.d.R. „äußerst vorsichtig damit, das Geld anderer Leute auszugeben“ und installieren eigentlich keine Produkte um dann zu sehen, ob diese auch angenommen werden oder „funktionieren“. Sie bauen damit z.B. auch kein Spendensubsystem ein, nur weil jetzt gerade ein einzelner Kunde sich das für einen Jugendtreff wünscht.

 

Wer jetzt mitzieht und immer noch ein technikpartizipatives „Social-Banking“ (oder doch nur Tetris beim Onlinebanking) möchte, sollte das also auf keinen Fall für sich behalten und einfach nur abwarten. Es könnte und wird dann vermutlich ewig dauern.

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