Aber der Reihe nach:
Ginge es nach Klein, S. (Biophysiker, Astrophysiker? Oder schreibt hier jeder falsch von der Wikipedia ab? Who is Astrophysiker Steven Klein, herrgottnochmal??) dann können wir zwar behaupten, Kopf oder Zahl beim allseits bekannten Münzwerfen beschreibt den Zufall, wobei wir uns dann mit dieser Einschätzung scheinbar auf sehr dünnem Eis bewegen:
"Es gibt keinen Zufall, lediglich eine Menge unbestimmter Faktoren die wir weder beeinflussen können noch wollen."
Will sagen: wenn wir,neben dem Werfen der Münze am Tisch inmitten des Freundeskreises, natürlich unter Laborbedingungen, noch Berechnungen über die Oberfläche der Münze, den vorherrschenden Luftdruck/-temperatur und den Luftzug anstellen bzw. am Besten gleich ALLE möglichen Einflussgrößen auf das Endergebnis untersuchen bzw. ermitteln, dann werden wir uns womöglich eingestehen müssen, dass es gar nicht so weit her ist mit dem Zufall. Berechne mir alle Einflussgrößen und ich sage dir, wie du wirfst. Kein Mensch kann das.
Das ist aber, meines Erachtens nach, unterm Strich für den Laien und begeisterten Münzwerfer überhaupt nicht weiter tragisch, denn:
Nahezu niemand interessiert die Oberfläche der Münze oder der Luftwiderstand wenn es darum geht, mit der Münze eine Wette zu entscheiden
Nahezu niemand oder niemand hat alle Variablen nicht nur im Blick sondern auch im Griff, vor allem nicht gleichzeitig
Münzwerfen ist auch spannend, wenn (streng genommen) der Zufall gar nicht regiert
In Sachen Zufall bin ich damit ganz bei der Astrophysik oder meinetwegen auch der Biophysik (von der ich im Grunde absolut keine Ahnung habe) und gehöre wohl zu den Menschen, die gar nicht alle Einflussgrößen kennen wollen, ganz abgesehen vom Kennen können.
Soviel zum allgemeinen Teil.
Hier im Blog heißt es ja: „Mikrospenden sind Zufalls-Spenden“. Sind sie das nun wirklich? Und wenn ja, wem bringt das was?
Vielleicht ist es bei all diesen Fragen gar nicht so schlecht, mal beim „nicht-zufälligen“ Vertreter anzusetzen: Und der wohl Bekannteste dieser Kategorie ist und bleibt: Der Spenden-Dauerauftrag.
Wer einen Spendendauerauftrag über einen regelmäßigen Betrag X abschließt, der weiß mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon beim Abschluss, um wie viel Geld sein Konto am Jahresende geschmälert sein wird. Ganz egal, wie viele Kontobewegungen die Kontostände im Laufe der Zeit nur so durcheinanderwirbeln. Einen Einfluss auf die Höhe des Spendenbetrages via Dauerauftrag hat dies alles nicht.
Willkommen in der Welt des Vorhersehbaren, des Kontrollierbaren und des Planbaren. Eine Welt übrigens, in der Vertreter von Banken felsenfest davon ausgehen, dass Sicherheit, Planbarkeit und Kontrollierbarkeit genau die Attribute sind, die von ihren Kunden gewünscht werden:
„Die Idee hinter Mikrospenden finden wir auch gut... aber ich habe gerade mal mit einigen Kollegen gesprochen. Der erste Tenor war, dass die meisten Menschen ihre Finanzen unter Kontrolle behalten wollen. Die Thesen die in dem Beitrag aufgestellt werden (Dynamik, Unberechenbarkeit) laufen unserer Meinung nach dem gewöhnlichen Wunsch nach finanzieller Planbarkeit entgegen.“
(Quelle: Vertreter einer Volksbank über Bank-Mikrospenden, via E-Mail)
Ein Kundenbild eines Bankvertreters in einer Welt, von der Stefan Klein aber behauptet:
„In einer Welt nach Plan wären wir niemals so weit gekommen“
Auch dieselbe Welt, in der ein Vertreter eines Bank-Rechenzentrums die interne Vorgehensweise bzgl. der Neuproduktentwicklung wie folgt beschreibt:
„Bevor wir komplett ein Produkt neu entwickeln und integrieren möchten wir sicher sein, dass die Kunden das auch wünschen (…) ein Produkt fertig zu machen um dann zu gucken ob es funktioniert – das ist nicht unser Prinzip zu arbeiten.“
(Quelle: Videoquelle auf Startsite, Vertreter GAD Rechenzentrum)
Eine Vorstellung und Arbeitspraxis in einer Welt, von der Stefan Klein wiederum annimmt:
„Wirklich Neues entsteht nur nach den unbequemen Prinzipien der Evolution: vieles ausprobieren, weniges auswählen, unbefriedigende Lösungen und Irrwege erdulden.“
Ich unterstelle, Stefan Klein (würde er sich mit Bank-Rechenzentren beschäftigen) käme zu dem Schluss: Dem Zufall wird hier nur wenig Beachtung geschenkt, da ansonsten, nach Ansicht der Betreiber, jede Menge Produkte entstehen würden, die keiner will und braucht und damit nur unnötig Geld ausgegeben wird. Ich unterstelle weiterhin, Stefan Klein (würde er sich mit dem Kundenbild von Banken beschäftigen) käme zu dem Schluss: Banken unterliegen der festen Annahme, ihre Kunden wollen den Zufall aus ihren Finanzangelegenheiten ausklammern und fordern gleichzeitig Sicherheit, Kontrollierbarkeit und Planbarkeit ein.
Das sind meinerseits nun reine Unterstellungen und sollten diese tatsächlich zutreffen, dann sehe ich für Subsysteme, die Bank-Mikrospenden realisieren, welche wiederum (in definierten Grenzen) dem Faktor Zufall Bedeutung schenken und Raum verschaffen keine Zukunft. Leider.
Sollte es aber gegenteilig zutreffen, dass Menschen den "Zufall" eigentlich lieben, weil er sich nicht nur biochemisch bemerkbar macht und „Spannung“ erzeugt sondern auch Neues, manchmal Unplanbares (wie z.B. ein Subsystem im Bankzentralrechner) möglich macht, dann könnten automatische Bank-Mikrospenden durchaus ein nächster und ernstzunehmender Schritt im zufalls- und zentralsystemgestützten Bankspendenwesen darstellen.
Vielleicht trifft ja sogar folgendes zu:
50 Cent, die wir durch "zufällige" Bank-Mikrospenden gespart haben freuen uns mehr als einem um 50 Cent verringerten Spenden-Dauerauftrag.