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Dienstag, den 07. August 2012 um 15:54 Uhr

Reicher Onkel Bank, wer bist Du?

Geschrieben von  connormarc

Ja, die Beziehung der Menschen zu „Ihren“ Sparkassen, die vor ungefähr 200 Jahren ihren Anfang nahm, ist eine „Besondere“. Für das Handelsblatt unlängst Anlass genug, einmal offen über Gefühle zu sprechen und diese auch in Worte zu fassen. Und es ist Liebe. Liebe zu Attributen wie Sicherheit, Heimatbezug und Gemeinwohlorientierung der Bank. In diesem Zusammenhang ist von der Sparkasse als „reicher Onkel der kommunalen Familie“ die Rede. Und, wie es sich für einen wohlgesonnenen, reichen Onkel gehört, wird es dieser nicht leid, in seiner Rolle als großzügiger Mäzen oder Sponsor aufzutreten und Gelder zu verteilen.

Seit mehreren hundert Jahren gefällt sich die Bank in dieser Rolle und es könnte wohl immer so weitergehen, wäre hier nicht ein erstarkendes, sich wandelndes Kundenbewusstsein- oder auch Kundenselbstbewusstsein zu erkennen, das dem Bild des „reichen Onkels Bank" das Bild der "gemeinsam starken Kunden" gegenüberstellt.

 

Anders gesagt: Wenn Liebe auch loslassen bedeutet, dann wäre nun, nach 200 Jahren Bank-Kundenbeziehung so langsam die Zeit gekommen, die Kunden technisch-organisatorisch in die Lage zu versetzen, Verteilungsfragen, wo möglich, selbst und selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Erste Ansätze sind z.B. aus dem Umfeld des „Crowdfunding“ zu erkennen, einem Verteilungs- und Finanzierungsansatz, der so gar nicht zum etablierten Bild des reichen, großzügigen Onkels namens Bank passen möchte.

 

Kein Wunder also, dass sich hier über kurz oder lang ein Spannungsfeld ergibt, das das Handelsblatt in seiner "Liebeserklärung" an die Sparkassen folgendermaßen beschreibt:

 

„So viel Sicherheit Du also auch ausstrahlen magst - unantastbar bist Du nicht. Es gibt eine neue Konkurrenz, die ist gesichtslos. Das Internet war in Deiner Lebensgeschichte nicht vorgesehen. Dass Computer die Arbeit von Menschen erledigen, macht Dir sichtlich zu schaffen. Deine neue, elektronische Konkurrenz, die weitgehend mit Websites und elektronischen „Tools“ auskommt, will den Schalterbeamten überflüssig machen.


Du musst Dich diesem Wettbewerb stellen, dem Wettlauf der realen gegen die virtuelle Welt. Der realen gehören zwar meine Sympathien, doch die virtuelle ist schneller und kommt mit niedrigeren Kosten aus. Vor allem jüngere Leute stehen auf Onlinebanking - so drücken sie sich aus - und finden Menschen wie mich altmodisch.


Ich finde mich auch altmodisch. Aber ich glaube, es würde uns allen besser gehen, wenn wir ein wenig altmodischer würden. Eine langweilige Bank scheint mir eine gute Bank zu sein. Wir alle waren zu schnell, zu tollkühn, zu betrunken von den Versprechungen einer Zeit, die als neue Zeit angekündigt war.“

 

Da haben wir sie also, die Misere. Nach über 200 Jahren Beziehung scheinen Werte nun zunehmend zu kollidieren und, nicht weniger brisant, sich das Bild des „reichen Onkels“ Bank zu wandeln. Reich und großzügig zu sein ist heute für Viele nicht mehr genug in einer Welt der Communities und Schwärme, Mikrospender und Mikroinvestoren, einer Welt die alles Andere als eine virtuelle Parallelwelt darstellt. Es gibt keinen „Wettlauf der realen gegen die virtuelle Welt“ sondern allenfalls einen Lauf des Lebens und der Zeit. Und es gilt sich, wie in jeder Beziehung, anzupassen an sich verändernde und veränderte Gegebenheiten.

 

„Eine langweilige Bank scheint mir eine gute Bank zu sein“, resümmiert das Handelsblatt und lässt dabei wohl außer Acht, dass nicht wenig Beziehungen gerade an Langeweile zerbrochen sind.

 

 

Zum Weiterlesen:

Deutschland, deine Sparkassen

Umfrage: Sollen Banken Crowdfunding ignorieren oder integrieren?

"Was mich aufregt" - Blogbeitrag von Boris Janek

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