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Donnerstag, den 30. April 2020 um 13:05 Uhr

Mikrospenden in Zeiten von Corona: Warum?

Geschrieben von  connormarc

Immer mehr Notrufe bei gleichzeitig sinkenden Spenden. Diese Einschätzung stammt von  Christina Franzen, Sprecherin der Stiftung „Deutschland rundet auf“ und sie macht eine bittere Thematik offensichtlich, die, auch bei genauerem Hinsehen in ihrer Tragweite nur unzureichend erfasst werden kann: Arme Kinder leiden besonders unter Wirtschaftskrise und Eindämmungsmaßnahmen gegen Corona.

Also immer mehr Notrufe, aber warum sinkende Spenden? Warum greifen, gerade in Krisen- und Notsituationen, bestehende Kleinst- und Kleinspendensysteme wie die von „Deutschland rundet auf“ oder „Girocents“ zu kurz? Und warum wird gerade jetzt nicht oder nur unzureichend an Mikrospenden-Systemen bzw. bankgestützten Mikrospenden-Systemen geforscht und gearbeitet während die virologische Forschung Schritt für Schritt Licht ins Dunkle zu bringen versucht? Einmal mehr wünsche ich mir ein Mikrospenden-Subsystem im Zentralrechner meiner Bank und damit die Möglichkeit, automatisiert zu spenden und nicht vor den täglichen, psychologischen Hürden zu stehen, die mich in vielen Fällen vom Spenden abhalten und über die dieses Tagebuch seit vielen Jahren berichtet.

 

Aber der Reihe nach:

 

Sinkende Spenden, zumal bei „Deutschland rundet auf“ in Zeiten von Corona. Wer schon einmal an der Ladenkasse „Aufrunden bitte“ gesagt und über die enge Verknüpfung des Spendenvorganges mit dem Konsumverhalten nachgedacht hat kann nachvollziehen, wie es um das „Aufrunden bitte“ beim Konsum in Zeiten bestellt ist, in denen die Ladenkasse eher und gerne gemieden wird, wenn der Laden, der Supermarkt zu einem Ort wird, den man lieber früher als später verlassen möchte. Anders formuliert: Ein Kleinspendensystem, das am individuellen Konsum anknüpft funktioniert optimalerweise dort, wo der individuelle Konsum als erstrebenswerter und damit positiv assoziierter Vorgang einen hohen Stellenwert bei den Konsumenten erfährt. Die Krisenanfälligkeit eines solchen Sammelsystems in Zeiten, in denen sich die Meisten nicht länger als unbedingt notwendig in Läden und Supermärkten aufhalten möchten und die Ladenkasse gerne gemieden wird, scheint hoch. Sehr hoch.

 

Ähnlich ernüchternd fällt der Blick auf das System aus, mit dem derzeit 3 (drei) Sparkassen auf elektronischem Wege Kleinspenden durch Unterstützung ihrer Kunden sammeln. Der Blick auf das Sammelsystem bei der Stadtsparkasse Wuppertal, der Kreissparkasse Euskirchen und der Sparkasse am Niederrhein macht nicht nur deutlich, wie Spendensysteme in Zeiten von Corona zusammenbrechen sondern auch warum.

 

Einfallslos, technisch und konzeptionell aus meiner Sicht schwach und unzureichend, mutlos, ja: ideenlos. So stellt sich Girocents  nicht erst seit gestern dar und ich bereue in nicht wenigen Momenten, dass ich eine „Gebrauchsanleitung“ zum Bank-Mikrospenden damals, 2016, an ein Unternehmen der Sparkasse Finanzgruppe für 99 Cent verkauft habe. Damals im Glauben und verbunden mit der Hoffnung, zentrale Gedanken und Ansätze aus den dort beschriebenen Sammelabläufen könnten den Eingang in weitere Überlegungen bilden, unter denen ein eher krisenfestes und automatisiertes Mikrospenden-Sammelsystem bei Banken erprobt werden kann.

 

Was nach dem Verkauf passierte? Nichts. Zumindest nichts in Richtung Forschung und Entwicklung von automatisierten Sammelsystemen durch Subsysteme in Zentralrechnern.

 

Mikrospenden in Zeiten von Corona heißt, Spendensysteme vor unseren Augen kollabieren zu sehen. Solange diese offensichtliche Tatsache ausgeblendet werden kann, so lange das Potential von Bank-Mikrospenden nicht erkannt wird und damit ein Innovations- bzw. Entwicklungsschub ausbleiben muss, so lange bleiben Überschriften wie „Abgehängt und hungrig“ nicht nur in Krisenzeiten eher die Regel und damit Millionen hilfsbedürftige Familien mit Kindern auf der Strecke.

 

Zum Weiterlesen:

Über das Mikrospenden bei regionalen Banken

 

Ich und Wir und Bank

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