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Dienstag, den 09. November 2010 um 19:07 Uhr

Diffundiert Verantwortung von Mikrospendern auch in der Region?

Geschrieben von  connormarc

Seit einigen Jahrzehnten machen sich manche Menschen Gedanken über das Phänomen, dass eine Aufgabe, die offensichtlich zu tun ist, trotz genügender Anzahl und Aufmerksamkeit dafür geeigneter Personen nicht ausgeführt wird. In der Verhaltensforschung kennt man diese öfters zu beobachtende Tatsache als „Bystander-Effekt“, der Überbegriff für diese Art des Nicht-helfens ist als „Verantwortungsdiffusion“ mehr oder weniger geläufig.

Wenn ich mir neuere Internetdienste im Netz anschaue, die potentiell hunderttausende oder gar Millionen von Menschen erreichen, diesen Menschen (relativ) einfach den Weg zu einer finanziellen Spende ebnen und dann oftmals weit hinter gesteckten Erwartungen zurückbleiben glaube ich ab und an, so etwas ähnliches wie eine „Verantwortungsdiffusion“ zu erkennen.

 

Warum sollte gerade ich dem Empfänger einen Geldbetrag zukommen lassen, wo dies doch im selben Moment eine nahezu unüberschaubare „graue Masse“ an Menschen ebenso tun kann?

 

Eine berechtigte Frage von der ich denke das es hier recht müßig ist, eine Antwort oder Erklärung zu suchen. Vielmehr interessiert mich, welche Bedingungen die tatsächliche Ausführung der Spende fördern können. Und wie aktuelle Klein- und Kleinstspendendienste im Internet zeigen ist es eben nicht damit getan, sich hier vorwiegend auf die Höhe des Spendenbetrages zu konzentrieren und technische Hemmschwellen möglichst gering zu halten.

 

Was also begünstigt das Tätigen einer Spende, neben den o.g. Faktoren wie Spendenhöhe oder technische Unterstützung?

 

Es scheint tatsächlich möglich, eine große Masse an Menschen zum Spenden zu motivieren, vorausgesetzt das Ereignis bzw. dessen Tragweite ist weitreichend genug, was sich u.a. an der Spendenbeteiligung im Falle verheerender Naturkatastrophen zeigt. Und auch vereinzelte "Hits", die urplötzlich und nach dem Schneeballprinzip eine wahre "Spendenwelle" auslösen wird es immer wieder geben.  Was aber fördert Spenden in weitaus weniger eindeutigen Fällen?

 

Wie sich zeigt kann die Zahl der anwesenden Personen bzw. der potentiellen Spender den Einzelnen eher hemmen als motivieren, die Spende zu tätigen. Demnach könnte sich ein eher regionaler Spendenansatz sogar förderlich auf die Spendenbeteiligung auswirken.

 

Und wenn man diese Einschätzung zulässt ist es ein eher kleiner, gedanklicher Schritt zu der auch empirisch gestützten Aussage, dass insbesondere die Beziehung des potentiellen Spenders zum Empfänger bei der Entscheidung zu spenden eine Rolle spielt.

 

In dieser Weise hatten Lindskold, Forte, Haake und Schmidt (1977) mehr Spenden erhalten, wenn ihre Sammler eine persönliche Bitte mit längerem Blickkontakt an Passanten richteten. In einem anderen Experiment konnten Baer, Goldman und Juhnke 1977 zeigen, dass bereits eine oberflächlich hergestellte Beziehung wie eine neutrale Bemerkung eines Fahrgastes im Aufzug ausreicht, um in der folgenden Minute die Hilfsbereitschaft zu erhöhen.

 

Was hat das nun alles mit regionalen Bank-Mikrospenden zu tun?

 

Je nachdem, wie stark man einzelne hemmende und unterstützende Einflussfaktoren auf das Spenden nun gewichtet kann man hier zu den verschiedensten Einschätzungen kommen. Ich persönlich halte die „Verantwortungsdiffusion“ bzw. die Anzahl der potentiellen Spender für einen zentralen, auch hemmenden Einflussfaktor, der durch die Reichweite des Internets noch verstärkt werden kann, lasse mich aber hier allzu gerne vom Gegenteil überzeugen.

 

Außerdem halte ich, nach wie vor, die persönliche Beziehung zwischen Spender und Empfänger für eine entscheidende Bedingung zu spenden. Regionales Mikrospenden bei Banken kann niemals alle Faktoren beseitigen, die einen potentiellen Spender vom Spenden abhalten und wenn jemand kein Geld für einen bestimmten Zweck geben möchte ist das wohl mehr als sein gutes Recht. Dennoch liegt für mich im regionalen Mikrospenden das Potential, die Diffusion von Verantwortung durch eine überschaubare Anzahl von Spendern einzudämmen und gleichzeitig die Vorteile von persönlich vorhandenen Beziehungen von Menschen zu und in ihrer Region nutzbar zu machen.

 

Vieles andere kann dann zusätzlich die Automatisierung des Spendenprozesses regeln denn ich denke es wäre grundsätzlich schade, wenn eine Spende aufgrund eines situativ hemmenden Einflusses letztlich ungetätigt bleibt. Aber das wäre ein ganz anderes Thema.

 

Hier erfährt man, wie Verantwortung diffundieren kann.

 

Und hier erfährt man noch viel viel viel mehr.

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