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Montag, den 06. Dezember 2010 um 21:09 Uhr

Das hier ist nicht Wikileaks. Es ist viel viel kleiner, mikro. Aber nicht unspannend

Geschrieben von  connormarc

Sinn und Zweck des „Tagebuchs eines Mikrospenders“ war und ist es, meine persönlichen Innenansichten in die technische Infrastruktur des Bankenwesens (wo es sie denn gibt) offen darzustellen, Funktionsmechanismen nachzuzeichnen und vor allem: Wo und wann immer möglich, etwas „System“ in die bestehenden, informationstechnologischen Strukturen zu bringen. Dies alles kann ich natürlich, wenn überhaupt, dann nur in (m)einem begrenzten, studentischen Rahmen leisten. Das hier ist nicht Wikileaks.

Und auch wer was wann zu wem und mit welcher Tragweite gesagt hat, ist für mich nachrangig. Mich interessiert vielmehr die Frage:

 

Was hängt systemtechnisch bei Banken wo und mit etwas Anderem zusammen und wie wirkt sich dieser Zusammenschluss letztlich im Hinblick auf Geld-Verteilungsfragen aus? Warum sind verschiedene Komponenten so und nicht anders verbunden, wie spielen sie ineinander und last but not least:

 

Ist ein Mikrospenden-Subsystem in der bestehenden Struktur überhaupt realisierbar, wobei diese Frage auf der Basis neuerer Berechnungen und Kalkulationen bereits mit einem klaren JA beantwortet werden kann.

 

Mit schon heute vorliegenden Informationen können zukünftige Spekulationen über die technische Realisierbarkeit, Kostenaufwand u.a. weitestgehend ad acta gelegt werden. Das Mikrospenden-Subsystem ist in der in diesem Blog beschriebenen Form und Funktion heute möglich und könnte auf Akzeptanz und Inanspruchnahme bei den Bankkunden auf „Herz und Nieren“ getestet werden. Dies ist nachweisbar und bis heute unbestritten.

 

Weiterführende Diskussionen können demnach direkt in den nächsten "Level" springen und an dieser fortgeschrittenen Stelle anknüpfen. Aber nun der Reihe nach:

 

Mein Verhältnis zu Banken beschreibe ich grundsätzlich als „gut“. Und auch wenn ich auf Mikrospenden-Anfragen öfters einmal wenig bis kein Feedback bekomme, so interpretiere ich dies nicht als „verschwörerische“ Zurückhaltung wertvoller Informationen sondern bin realistisch genug anzunehmen, dass nicht jedes Kreditinstitut ähnlich begeistert vom Subsystem sein muss wie ich es bin, ganz klar.

 

Und unterm Strich, soviel kann ich heute sagen, habe ich in diesem Jahr in Kooperation mit Banken schon mehr erreicht, als ich mir zu Beginn des Jahres vorgestellt habe.

 

Das „Zwischenergebnis“ bzw. einen Ausschnitt der gesammelten Fakten möchte ich im Folgenden kurz zusammenhängend darstellen, wobei ich dies gerne in anonymisierter Form umsetze. Für die Einordnung und das Verständnis des Gesagten geht es nicht darum, wer im Einzelnen diese Aussage getroffen hat, wobei es sich in jedem Fall um Aussagen von Vertretern eines Kreditinstituts handelt. Wie schon öfters geschrieben halte ich Banken, insbesondere in technischen Fragen, für „austauschbare“ Akteure. JEDE Bank kann buchen. JEDE Bank setzt im technischen Tageswerk auf Algorithmen, die die verschiedensten Befehle (auch Automatismen in Form von Daueraufträgen u.a.) beschreiben. JEDE Bank entscheidet unter Kosten-/ Nutzenabwägungen usw.

 

Kurzum:

 

Wenn EINE Bank Mikrospenden realisieren kann, dann können dies, aus systemtechnischer Perspektive, ALLE Banken.

 

Ich formuliere dies ausdrücklich und vorsichtig als These, denn: Ich bin nicht die Bank und meine „Innenansichten“ geben lediglich die Aussagen von Bankvertretern wieder bzw. stützen sich auf diese.

 

Wie bereits erwähnt, gehe ich zum heutigen Stand von der Realisierbarkeit des Mikrospenden-Subsystems in der zentralen Recheneinheit einer Bank aus. Aufschluss darüber gibt ein Feedback einer Bank v. 16.02.2010, die sich detailliert mit Realisierung und Kostenfragen auseinandergesetzt hat:

 

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Hallo,

 

die Recherchen bezüglich der technischen Umsetzung und der Kosten konnte ich nun abschließen.

 

Technisch lässt sich eine Abbuchung und Transferierung von Cent-Beträgen in einem regelmäßigen Turnus über ein eigen entwickeltes Software-Tool umsetzen.

Ebenso habe ich die Kosten für die Umsetzung sowie die regelmäßigen Abbuchungs- und Transferierungsläufe errechnet.

 

Diese Daten habe ich auch bereits an Herrn ********* geschickt. Er muss letztlich darüber entscheiden, wie diesbezüglich weiter verfahren wird.

Herr ********** ist nur diese Woche im Urlaub und kommt erst am ******** wieder zurück.

 

Ich werde mich bei Ihnen melden, sobald ich neues weiß.

 

 

Viele Grüße

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Diese Rückmeldung war (vermutlich) für alle schon damals Beteiligten ein erster und motivierender Teilerfolg und seitdem gilt für mich das Mikrospenden-Subsystem als praktisch realisierbar, fast schon greifbar. Es hat Gestalt bekommen, ist durch ermittelte Kosten berechenbar und kalkulierbar geworden. Im Februar diesen Jahres hat es dann seinen Weg durch verschiedene Entscheiderebenen angetreten. Was nun folgte war eine Serie von, mal mehr mal weniger skeptischen Absagen von Bankvertretern. Im Vordergrund dabei: Kosten-/ Nutzenabwägungen, die letztlich gegen die Implementierung des Subsystems sprechen.

 

Und an dieser Stelle schließt sich ein Feedback an, das ich bis heute kritisch hinterfrage. Es geht dabei um den Aspekt, wie denn eine Projektidee für eine Bank „attraktiver“ gestaltet und verbessert werden kann, wenn die zentralen Fakten nicht zur Verfügung gestellt werden. Dies, so behaupte ich, ist nun nicht ausschließlich charakteristisch für das Bank-Kunde-Verhältnis sondern wird unter dem Aspekt „Transparenz“ oder „mangelnde Transparenz“ zwischenzeitlich zunehmend flächendeckend und auch institutionsübergreifend diskutiert.

 

Auf die Frage, ob ich denn Einblick in die ermittelten Ergebnisse der Mikrospenden-Subsystem-Recherche nehmen könne, wurde mir am 30.03.2010 schriftlich mitgeteilt:

 

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Hallo,

 

ich kann gut nachvollziehen, dass für Sie die Rechercheergebnisse von

großer Bedeutung sind.

Da es sich hierbei allerdings um hausinterne Daten handelt, darf ich Ihnen

diese aus datenschutzrechtlichen Gründen leider nicht weiterleiten.

 

Ich wünsche Ihnen dennoch weiterhin viel Erfolg mit Ihrem

Mikrospendenprojekt und hoffe, dass es Ihnen gelingt, das Projekt umzusetzen.

 

 

Viele Grüße

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Auch für den Fall, dass ich mich mit meiner Annahme wiederhole: Banken sind für mich unter technischen Aspekten und auch im Bezug auf den Umgang mit internen Daten austauschbar.

 

Und ich habe bis heute keine Bank gefunden, die mir im Falle des Subsystems ihr Kosten- / Nutzenkalkül offenlegt. Man mag dies „typisch“, „normal“, „nachvollziehbar“, „seltsam“ oder auch „fragwürdig“ finden. Es ist aber derzeit nun einmal wie es ist.

 

Es gilt nun also im kommenden Jahr, ein besseres Verständnis von den inneren Funktionsmechanismen von Banken bzw. deren Zusammenspiel mit (externen) Rechenzentren zu gewinnen. Dieser Zusammenhang scheint für einen weiteren Erkenntnisgewinn zentral, wie folgendes, aktuelles Feedback v. 30.11.2010 zeigt:

 

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Die Realisierung eines solchen Systems wäre nicht abhängig von uns sondern von unserer Rechenzentrale. Die wiederum würde eine Realisierung davon abhängig machen ob ein Großteil der ******Banken ein solches System haben. Und das hängt davon ab ob die Kunden mit dem Wunsch nach einem solchen System auf ihre Banken zugehen. Ein Kreislauf, der oftmals leider nur sehr schwer zu durchbrechen ist“

 

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Eine Stellungnahme, die zeigt, dass ich mich mit meinem Anliegen nahe eines „Kreislaufs“ befinde, der, wie ich vermute, die Strukturen festschreibt. Kunden – Banken und deren Rechenzentren bilden eine Ordnung, die ein von außen angetragenes Spendenuntersystem (noch) nicht „aushält“, ohne in „Unordnung“ zu geraten. Das mag zunächst abstrakt und hypothetisch klingen, bildet aber zumindest den derzeitigen Stand der Dinge aus meiner Perspektive ab.

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