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Da erinnert mich das Facebook-Team daran, mich an Vergangenes zu erinnern und dies auch noch öffentlich mitzuteilen. Ein Jahr soll das schon her sein? Und ja, am 01.09.2015 berichtete der Märkische Zeitungsverlag GmbH & Co. KG unter der Überschrift „Mikrospender für Girocents gesucht“ von ebendieser Suche nach potentiellen Spendern, wohlgemerkt im automatisierten Nachkomma-Bereich.

 

Als ich vor einigen Jahren, als Student der Sozialen Arbeit mit einer wissenschaftlich aufgearbeiteten Projektarbeit über elektronisch generierte Kleinstspenden noch selbst auf der Suche war (weniger nach Spendern als vielmehr nach aufgeschlossenen Vertretern im regionalen Bankensektor), schien die Zeit der kleinen und mikroskopisch kleinen Spenden noch nicht gekommen zu sein. Oft herangezogen und hier viefach zitiert ist demnach die offizielle Rückmeldung seitens eines Vertreters einer regionalen Kreissparkasse, hier um die Ecke, die wie folgt auf die Einreichung und Bewertungsanfrage bzgl. der Projektarbeit lautete:

 

"Mit unseren derzeitigen technischen Systemen lässt sich Ihre Idee nicht umsetzen. Es müssten daher zunächst aufwändige Subsysteme hergestellt werden, die neben der reinen Buchungsfunktion auch unseren strengen Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen. Die damit verbundenen Kosten stünden dann aber in keinem sinnvollen Verhältnis zu dem erwarteten Spendenaufkommen."

 

Damals noch, vermutlich aufgrund studentischen Leichtsinns der naiven Annahme, solch ein „Subsystem“ könne sich doch leicht programmieren lassen (Excel?), gab ich mich mit einer ersten kritischen Rückmeldung oder vielmehr einer ersten Absage nicht recht zufrieden. Nichts ahnend, dass ein paar Jahre später auch der Sparkassenverband Baden-Württemberg in einer Stellungnahme die Idee der Mikrospenden „nicht  weiterverfolgen“ wollte. Nun gibt es eine Vielzahl an Bundesländern und eine wesentlich größere Anzahl von regionalen Banken, entsprechenden Gremien, Dienstleistern in technologischen Bereichen oder Fragen des Marketings und der Kundenbindung. Aber für meine Projektarbeit und auch die Motivation, ein konkretes Spendenprojekt in Kooperation mit einer Bank und elektronischen Spenden zu fördern war eine Grenze des Machbaren erreicht.

 

Bis eben zu diesem denkwürdigen 01.09.2015, dem Tag an dem, wie aus dem „Nichts“ heraus,  die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen Mikrospender suchte.

 

Die Hintergründe hierzu waren rasch in Erfahrung gebracht: Im Auftrag des Rheinischen Sparkassen -und Giroverbandes (RSGV) entwickelte das Institut für Marketing & Kundenbindung der Sparkassen (S-IMK) ein Konzept zur Generierung von sog. "Cent-Spenden", betitelte dies originellerweise "Girocents" und hatte, auf Anfrage hin, von meiner vor Jahren veröffentlichten Projektarbeit zum Thema, dem Blog "Tagebuch eines Mikrospenders" oder auch den konkreten Anfragen bei einzelnen Sparkassen bzw. dem Sparkassenverband Baden-Württemberg nie etwas gehört oder gelesen.

In der Zwischenzeit war das technische Verfahren von mir in ein Gebrauchsmuster überführt worden mit dem Sinn und Zweck, die damaligen Gedanken zum Thema zu bündeln, zu verschriftlichen und gewissermaßen auch zu schützen. Aus fester Überzeugung, dass mit Spenden, seien diese auch noch so klein kein Geld verdient werden sollte überlegte ich mir, die vorhandenen Nutzungsrechte aus dem Gebrauchsmuster den Entwicklern von „Girocents“ zu übertragen, allerdings nicht kostenlos.


Die Frage, welcher Betrag in solch einem Zusammenhang angemessen ist (schließlich dokumentiert der Rheinische Sparkassen- und Giroverband, in dessen Auftrag das Spendensammelkonzept entwickelt wurde ein Geschäftsvolumen von über 154 Milliarden Euro) war rasch beantwortet. Ich wollte exakt 99 Cents und als symbolische, wenn auch verspätete Anerkennung meiner damaligen Projektarbeit einen entsprechenden Hinweis auf die studentische Arbeit seitens der Entwickler. Damit verbunden die Hoffnung, nun doch noch, nach Jahren der erfolglosen Versuche ein elektronisches Spenden-Sammelverfahren meiner Bank für Soziale Projekte in meiner Nähe nutzbar zu machen. Ob sich „Girocents“ aber bis nach Baden-Württemberg verbreitet bleibt derzeit ebenso vage wie bedingt wahrscheinlich. Immerhin liegt die Teilnehmerzahl (Stand 09/2016) bei über 11.000 Spendern, Tendenz steigend.

 

 

Weiterführende Informationen:

"Bankkunden spenden: Giro-Cents machen Hilfe möglich"

Von: disch

Was zunächst wenig glaubwürdig und nahezu utopisch klingt, ist wahr. Die Zeiten, in denen Banken, und gerade regionale Banken ausschließlich selbst als großzügige, institutionelle Spender für gemeinnützige Zwecke auftraten sind vorbei. Eine neue Zeitrechnung digitaler, auf das Zusammenwirken der Vielen abzielender und automatisierter Spendensammelsysteme hat begonnen und wird aller Voraussicht nach nicht mehr aufzuhalten sein. Ob das gut, weniger gut oder einfach nur belanglos ist, wird sich noch zeigen.

Nun wurde sie also in ein Gebrauchsmuster überführt, die Anleitung eines Verfahrens, das das Spenden für regionale, gemeinnützige Zwecke vereinfachen soll. Jahre der Planung, der technischen Verbesserungen, der Anpassungen und Abwandlungen sind Vergangenheit. Jahre, in denen bankseits eine Absage auf die andere folgte ebenfalls. Das Verfahren wird nicht eingesetzt, ist aber dennoch existent. Was tun? Nachdenken kann nicht schaden.

Ein paar Monate sind verstrichen seit der letzten Bestandsaufnahme in Sachen Klein- Kleinst- und Mikrospenden. Gibt es sie noch? Und wenn ja, in welche Richtung entwickeln sich die für sie laufend entworfenen Systeme aka Subsysteme? Nicht zu vergessen: Der Mensch. Welche Wandlungen sind hier zu erkennen? Ist das nicht-triviale System Mensch überhaupt kompatibel zu Mikrospenden-Systemen bzw. wenn ja, zu welchen idealerweise?

Die Jahre vergehen und wir schreiben an dieser Stelle bereits den dritten Jahresrückblick eines Mikrospenders, nach 2010 und 2011. Eines vorweg genommen: Mikrospenden, als fester oder fest implementierter Bestandteil der IT von (regionalen) Banken, konnten noch nie und von niemandem und von keiner Crowd gesammelt werden. Sie sind damit Fiktion und unter gewissen Umständen werden sie dies auch immer bleiben.

„Nur mutige Menschen verändern Banken“ hieß es bereits im August 2011 im Finance2.0 Blog. Und auch heute, wir schreiben Dezember 2012, sind es Menschen wie Christian Felber, die bei Boris Janek nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Für mich stellt sich mit dem Ende des Jahres nun weiterhin die Frage, ob und ggf. wie ein Modell der "Gemeinwohlökonomie" in der Lage ist, längst fällige, strukturelle Veränderungen im Bankenwesen zu forcieren.

Einige Monate sind seit der von Lothar Lochmaier offen gestellten (Um)Frage:

 

"Sollen Banken Crowdfunding ignorieren oder integrieren?"

 

ins (virtuelle) Land gezogen. Integriert wurde seitdem, meines Wissens nach, eher nichts, was sich aber 2013 ändern könnte. Das aber jede Form von Ignoranz bei diesem Thema in keinster Weise zielführend ist, zeigt indes wenigstens die Fidor Bank.

Das Finanzieren durch Viele schreitet voran, entwickelt sich. Und ein Ende ist weit und breit nicht in Sicht, eher das Gegenteil ist der Fall. Was digitalisiert werden kann wird digitalisiert werden und was durch den Einsatz Vieler finanziert werden kann wird finanziert werden, vorausgesetzt die Idee dahinter „greift“. Aber das soll hier nicht Thema sein. Vielmehr geht es um die zukünftige Rolle von Banken innerhalb dieser Entwicklung.

Ja, die Beziehung der Menschen zu „Ihren“ Sparkassen, die vor ungefähr 200 Jahren ihren Anfang nahm, ist eine „Besondere“. Für das Handelsblatt unlängst Anlass genug, einmal offen über Gefühle zu sprechen und diese auch in Worte zu fassen. Und es ist Liebe. Liebe zu Attributen wie Sicherheit, Heimatbezug und Gemeinwohlorientierung der Bank. In diesem Zusammenhang ist von der Sparkasse als „reicher Onkel der kommunalen Familie“ die Rede. Und, wie es sich für einen wohlgesonnenen, reichen Onkel gehört, wird es dieser nicht leid, in seiner Rolle als großzügiger Mäzen oder Sponsor aufzutreten und Gelder zu verteilen.

Für mich als Befürworter der zentralregionalen Subsystem-These bildet der direkte, persönliche Austausch mit Mitarbeitern einer Bank stets ein besonderes Erlebnis. Wann schon besteht die Möglichkeit, einmal „tiefere“ Einblicke in Menschen- bzw. Kundenbilder oder auch Banking-Philosophien aus der „Innensicht“ zu erhaschen, wenn nicht bei Beratungsgesprächen, die vordergründig erst einmal gar nichts mit „Subsystemen“ oder auch "Bank-IT" zu tun haben?

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