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Donnerstag, den 05. Januar 2012 um 10:29 Uhr

Über Mikrospenden und Mikrokredite

Geschrieben von  connormarc

Mikrospenden sind kein offizielles Instrument der Mikrofinanz. Und wie man es dreht und wendet, sie wollen sich auch nicht so recht mit der Logik einer kapitalistischen Verwertung in Einklang bringen lassen. So verwundert es nicht, dass für die Realisierung von Mikrospenden zunächst bisher nicht bestehende Subsysteme in die IT-Architektur des Finanzwesens integriert werden müssten, was für die meisten Menschen zum heutigen Zeitpunkt nur schwer nachzuvollziehen oder auch undenkbar ist.

 

 

 

Ein Finanzsystem, das Elemente Sozialer Arbeit bis in die IT von Banken abbildet und integriert scheint an Bestehendes nicht anschlussfähig. Und es sollte nicht ausreichen, als Bank gängige Social-Media-Plattformen zu nutzen , denn es geht zukünftig um nicht weniger als um Technikpartizipation und Personalisierung bis hin zum Einzelnen.

 

Ganz anders ist dies bei Mikrokrediten und deren qua Idee ausgeprägten Anschlussfähigkeit an das bestehende Finanzsystem der Fall und würde es sie nicht bereits seit Jahrzehnten geben, müssten sie schnellstens erfunden werden. So langsam erkennen nicht nur Kritiker der Mikrofinanz, dass ein zu verzinsender Kredit aber eben nur das ist, was er eben ist und dabei nichts anderes sein kann als das, wozu er erdacht und geschaffen wurde:

 

»Ob auf Makro- oder Mikroebene, ob Großbank oder MFI, das Kreditgeschäft folgt immer der Maxime der Bereicherung: Geld soll möglichst billig geliehen werden, um es so teuer wie möglich weiterzuverleihen.«

 

Ein Kredit ist ein Kredit und damit das, was er ist, unabhängig seiner Höhe. Man kann das bedauern, ohne dabei dessen positiven Auswirkungen aus den Augen zu verlieren: Menschen bekommen überhaupt Kredit. Die Auseinandersetzung mit dem Guten im weniger Guten führt dann oftmals zu dem Gefühlszustand im Spannungsfeld zwischen „unethisch“ und „doch ethisch“.

 

Spätestens hier trennen sich dann die Wege zwischen Befürwortern und Kritkern der Mikrofinanz.

 

Damit die heutige Mikrospende, deren Vorläufer ("Wohltun" als Tugend) sich bis in das vorchristliche Altertum zurückverfolgen lassen, nicht auch Gefahr läuft, sich in einem neuerdings erzeugten Spannungsfeld zwischen „Leistung“ und „Gegenleistung“ (Crowdfunding) aufzureiben sollte Wert darauf gelegt werden, eine Spende ihrem Wesen und ihren Merkmalen nach auch das sein zu lassen, was sie ist. Demnach weist eine Spende folgende Merkmale auf:

 

- Übertragung von Ressourcen


- Die Übertragung findet freiwillig statt


- Keine gleichwertige, materielle Gegenleistung des Empfängers


- Übertragen an einen Mittler, dessen Aufgabe in der Weiterleitung der Ressourcen    an den Empfänger besteht

 

Wer diese Merkmale einer Spende anerkennt wird vielleicht verstehen,

 

- warum die Mikrospende kein offizielles Instrument der Mikrofinanz darstellt,


- warum sie einer kapitalistischen Verwertungslogik entgegensteht,


- warum sich bis zum heutigen Tag keine elektronischen Sammelsubsysteme in der IT von Banken wiederfinden


- und warum es noch ein langer und auch beschwerlicher Weg sein wird, diese zu realisieren. Wenn überhaupt jemals.

 

 

 

Zur Vertiefung:

 

Audiobeitrag Mikrofinanz (Gerhard Klas)

Videointerview Mikrokredite (Alfred Dorfer und Leopold Seiler)

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