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Freitag, den 02. März 2012 um 15:49 Uhr

Über #Kleinstspenden und weil nichts mehr so ist, wie es vorgestern noch war

Geschrieben von  connormarc

Vom 29.02 auf den 01.03 ist das elektronische Abrechnungssystem des Handels dauerhaft um eine Spendenfunktion erweitert. Es ist damit möglich, was zuvor zwar nicht unmöglich aber eben nicht möglich war. Und auch wenn es sich um einen, in erster Linie virtuellen Funktionszuwachs handelt, wird dieser sichtbare Spuren hinterlassen. Spätestens dann, wenn die elektronisch generierten, kleinen Spenden in aggregierter Form als gemeinnützige Kaufkraft eingesetzt werden können.

In den letzten Monaten wurden elektronische Systeme im Handel verändert und angereichert. Das sie immer schon mehr konnten als man ihnen abverlangte war klar, aber nun wurde die Grenze zum Handeln überschritten.

 

Das (regionale) Banken bzw. deren IT-Dienstleister diese Entwicklung mit einer gewissen Anspannung verfolgen werden leuchtet ein. Denn früher oder später werden sich Menschen fragen, warum nicht wesentlich mehr elektronische Systeme (z.B. die der Banken) im Sinne einer Förderung der Gemeinnützigkeit modifiziert werden und es stellt sich ganz allgemein die Frage, wie lange sich Banken auf das Argument der „Sicherheitsbedenken“ oder auch auf das antiquierte Bild des ausschließlich „auf Sicherheit“ bedachten Bankkunden stützen können:

 

"Mit unseren derzeitigen technischen Systemen lässt sich Ihre Idee [Mikrospenden] nicht umsetzen. Es müssten daher zunächst aufwändige Subsysteme hergestellt werden, die neben der reinen Buchungsfunktion auch unseren strengen Sicherheitsanforderungen entsprechen müssen. Die damit verbundenen Kosten stünden dann aber in keinem sinnvollen Verhältnis zu dem erwarteten Spendenaufkommen." (Offizielle Absage einer Kreissparkasse auf eine Mikrospenden-Anfrage)

 

Man mag Initiativen wie „Deutschland rundet auf“ kritisch sehen oder auch völlig ignorieren. Gründe genug gibt es sicherlich zu finden: Generalisierend, flächendeckend, groß angelegt und dabei marketingorientiert, handelsbezogen und damit an Konsum gekoppelt. Das mag Menschen irritieren oder stören. Eventuell wird eben gerade nicht gespendet. Das ist nachvollziehbar.

 

Aber nicht zu spenden war auch noch nie eine Lösung und gelöst hat "Deutschland rundet auf", aus meiner Sicht, eine ganze Reihe von Problemen in Bezug auf den Abbau von (psychologischen) Spenden-Hemmschwellen. In erster Linie haben die Verantwortlichen den Funktionsumfang bestehender, elektronischer Systeme erst einmal hinterfragt. Das die Technologie immer mehr kann, als ihr abverlangt wird, ist nicht neu.

 

Das wirklich Neue und auch Reizvolle an der Initiative ist, dass sie einen Kommunikationsrahmen neu definiert und aufgespannt hat, in dem zukünftig über die Art und Weise und vor allem die Möglichkeiten zu spenden offen gesprochen oder auch gestritten werden kann. Das leidige und oft auch mitleidige Verweisen auf hohe Verwaltungskosten bei kleinen Spenden und/oder auf unzureichende technische Systeme gehört seit Anfang März 2012 der Vergangenheit an - genau wie die voreilige Einschätzung, dass Kleinst- und Kleinstpendensysteme von den Menschen nicht akzeptiert und genutzt werden.

 

Gemeinsam mit diesen Zeilen ändert sich gerade vielerorts das Bewußtsein in Bezug auf das Geben. Und das ist nicht einmal übertrieben.

 

Die neuen Spenden-Funktionen demonstrieren einmal mehr, wie variabel und "gemeinnützig programmierbar" unsere elektronischen Systeme sind, wenn man es nur möchte.

 

Sie sind nichts anderes als universell, weil virtuell. Ihre Funktionsbeschränkungen sind nicht technischer Natur sondern gedanklich konstruiert.

 

Über die Gründe und Motive hierfür lohnt es sich immer wieder neu nachzudenken.

 

 

Zur Vertiefung:

Wikipedia zum Thema: Kleinst- Klein- und Mikrospende

"Deutschland rundet auf"

Werte schaffen Werte

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