Irgend ein Tag vor ein paar Monaten. Kundengespräch bei meiner Bank. Im Raum: Der Berater, Ich (als Kleinanleger bzw. Anleger von Summen sehr geringer Höhe). Atmosphäre: Gelöst. Ich vermute der Grund lag darin, dass er und ich genau wussten was jetzt in der nächsten Stunde passieren wird.
Smalltalk (gefühlte 10 Minuten), dann zur Sache:
Es gäbe da so eine neue Anlageart (Produkt), dass er mir ans Herz legen wolle. Und jetzt Klartext: Diese Anlageart (Produkt) kann einiges: Stichwort wäre hier Risikominimierung durch permanente Vergleiche der Marktentwicklungen und da ja alles eine Frage des richtigen Augenblicks ist bietet diese neue Anlageart (Produkt) einen hohen Sicherheitswert auf Grund der flexiblen Anpassungsstrategien im jeweils aktuellen Finanzmarktgeschehen.
Smalltalk (gefühlte 5 Minuten), dann Gegenfrage meinerseits:
Ich arbeite in einem Jugendtreff. Die laufende Finanzierung ist natürlich immer ein Thema. Könnten sie sich vorstellen, dass ihre Bank es interessierten Kunden ermöglicht, bei ihnen Mikrospenden zu sammeln? Einfaches Prinzip: Der Computer schaut 4 Mal im Monat den Kontostand an, ermittelt anonym die Mikrospende (Mikrobereich, Nachkommastelle) und verbucht diese auf ein Sammelkonto, dass ich hierfür bei ihnen eröffne?
Smalltalk (gefühlte 2 Minuten), Skepsis liegt im Raum:
Also sie meinen, dass dann die kleine Spende von dem einen Konto auf ein Sammelkonto gebucht wird, wenn ich das richtig verstehe (Ein interessantes Detail fiel mir auf: Beim angestrengten Nachdenken wurden 2 Kreise auf ein DIN A4 Blatt gezeichnet. Der eine Kreis sollte wohl ein Kundenkonto, der Andere das Sammelkonto darstellen, vermute ich. Verknüpft wurden die beiden Kreise durch einen Pfeil). Ah ja, hmm. Ich frage mich jetzt nur, ob das technisch machbar ist. Ich kann mich ja mal im Haus erkundigen, wer sich bei sowas auskennt.
Kein Smalltalk mehr und das mit dem tollen neuen Produkt musste ich mir erstmal genauer überlegen, bevor ich es dann nicht genommen habe. Klang aber wirklich technisch beeindruckend. Schon toll was heutzutage geht, wenn man will.
Eine Alltagsgeschichte. Dennoch sehe ich eine Besonderheit zwischen den Zeilen:
Hat die Einfachheit der Dinge tatsächlich für immer ausgedient? Interessiert sich wirklich keiner mehr für die Faszination des Naheliegenden? Verlernt oder einfach nur aus der Zeit gefallen?
Muss einem erst schwindlig werden vor lauter technischen Details und Finessen um zu begreifen, dass das Produkt bestimmt klasse, man selbst aber eher doof ist und man das dann doch lieber die Profis machen lassen sollte? Frei nach dem Motto: Was ich verstehe kann nicht gut sein, sonst würde ich es nicht begreifen können.
Ich kenne keine der Antworten auf die Fragen, zugegeben. Und der Berater hat sich auch nicht mehr bei mir gemeldet.