Tja, interessanter Aspekt.
Ein Blick in die Printausgabe des guten, alten Lexikon für Technik und exakte Naturwissenschaften (1972, da gab es noch keine Mikrospenden aber schon jede Menge Kleingeld) oder, sollte dies ausnahmsweise mal nicht sofort zur Hand sein, in die Wikipedia fördert folgenden Wissenszuwachs zu Tage:
Unter einer Automatisierung versteht man in etwa einen selbsttätigen Ablauf technischer Vorgänge nach einem festgelegten Plan oder in Bezug auf festgelegte Zustände.
Zackbumm, in ungefähr 2 von 3 Gesprächen ist dieses dann genau hier beendet bzw. widmet sich gemächlich tagesaktuelleren Themen wie z.B. der Wetterlage oder aber auch der unerwarteten Niederlage der Deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana bei der Fußball-WM 2010.
Schade eigentlich, denn eines dürfte klar sein. Spenden ist gut und sinnvoll, macht aber auch viel Arbeit. Gründe, nicht zu spenden (vor allem für junge Menschen) gibt es mehr als genug:
- Kein Geld oder viel zu wenig davon
- Keine Zeit
- Gerade überhaupt keine Lust...
- "Doof, schon wieder gerade keine Zeit, sorry"
- Schade, im Moment passt es zeitlich überhaupt nicht
- Oh nein, keine Kohle dabei...aber echt tolle Sache...
- Muss schnell ins Kino (keine Zeit)
- Keine Zeit, tschuldigung
- Im Moment leider andere Dinge im Kopf...
- usw. usw. usw.
Tja, aus ähnlichen Gründen hat die Menschheit irgendwann Automaten und mit ihnen Automatismen eingeführt (und natürlich aus weiteren, über 3000 Gründen). Dennoch, wo steht denn festgeschrieben, dass es nicht ausreicht, wenn ich mich zu Beginn einer Laufzeit für einen Spendenzweck vor Ort entscheide, mir der maximalen Spendenhöhe im Vorfeld bewusst bin und der Rest dann regelmäßig und bequem von der Technik erledigt wird?
Anders formuliert: Macht ein unterstützender Bankzentralrechner einen Spender zweiter oder dritter Klasse aus mir?
Muss ich mir wirklich bei JEDER Spende ERNEUT Gedanken darüber machen, ob ich diese gerade JETZT tätigen sollte oder doch nicht lieber morgen bevor sie dann oft überhaupt nicht gemacht wird weil es ja mehr als genug Andere vermutlich gerade tun und es natürlich NICHT tun?
Mir scheint, als stünde hier eine gute Portion "Menschsein" regelmäßig sperrig im Weg. Und wenn es darum geht, in sekundenschnelle Hemmschwellen aufzubauen ist jeder Einzelne vermutlich schon jetzt Weltmeister.
Wie auch immer, eines kann ich im Bezug auf die geringe Spendenbeteiligung junger Menschen langsam nicht mehr hören: "Tja ist doch klar, junge Menschen habe eben noch weitaus weniger soziales Gewissen als Erwachsene". Mag sein, aber könnte sich dieses etwa durch gezieltes Lernen (am Besten durch aktives Tun oder am Vorbild) schon in jungen Jahren wirkungsvoll fördern lassen?
Wenn ich so aus dem Fenster schaue, sehe ich eine beträchtliche Anzahl potentieller, junger Mikrospender auf der Suche nach den passenden Automaten und Automatismen. Und wenn sie nicht versehentlich über die nächste, sperrige Sammelbüchse gestolpert sind, dann suchen sie noch heute.