Übrigens ein durchaus lohnender, vor allem kinderleicht durchführbarer Selbstversuch und darüber hinaus allseits beliebter Partykracher, der schon vor langer Zeit in ungezählten Wohnzimmern Furore gemacht hat. Ich möchte jetzt die Kraft bewusst gesteuerter Prozesse nicht kleinreden, aber irgendwie beruhigt es mich schon, dass Herzfrequenz und Atmung usw. vegetativ, autonom gesteuerte Prozesse sind. Man möchte ja in der Regel den nächsten Tag noch erleben. Und so erfindet sich die Medizin nicht wirklich neu, wenn sie ihre gegenwärtigen und zukünftigen Patienten mit folgender Vorstellung konfrontiert:
„Stellen Sie sich vor, wir müssten uns ständig darauf konzentrieren, zu atmen, dass unser Herz schlägt, dass der Darm unsere Nahrung verdaut, dass Blutdruck und Herzfrequenz sich an die jeweilige Situation anpassen (…).“
An dieser Stelle soll es aber nicht um das autonome Nervensystem gehen sondern um Geld, genauer gesagt um Spendengelder, noch genauer um Mikrospenden. Und bevor es Mikrospenden gab, klebten Geldspenden und der „freie Wille“ zusammen wie Pech und Schwefel, nehme ich zumindest mal an.
Wer möchte von sich behaupten, nicht bei jeder einzelnen Spende immer wieder über die Frage: Spenden oder Nichtspenden bzw. über die jeweilige Höhe der Spende selbst und „frei“ und situativ entscheiden zu können? Und die Tatsache, dass ich das gerade nicht möchte macht mich in keinster Weise zum Sprachrohr oder gar mehrheitsfähig. Trotzdem möchte ich es ganz bewusst nicht. Ich möchte es nicht. Ich möchte es wirklich nicht. Ich möchte mich allenfalls indirekt, also einmal zu Beginn einer Laufzeit für einen regionalen Spendenzweck entscheiden und dann bitte bis zum Beginn der nächsten Laufzeit von dem leidigen Geldthema verschont zu bleiben.
Stellen Sie sich vor, ich müsste mich ständig darauf konzentrieren wie ich spende, wofür und wie hoch.
Ich wäre vermutlich überfordert, vielleicht sogar handlungsunfähig und damit auch nicht fähig, die Spende in letzter Konsequenz auch zu tätigen. Ich würde vielleicht NICHT spenden. Insofern benutze ich auch gerne einmal unser aller autonomes Nervensystem als Vorbild für meine geplante, autonome Mikrospenderei, da ich hier das Rad definitorisch einfach nicht neu erfinden muss, also wieder mal aus reiner Bequemlichkeit:
Das autonome Mikrospenden, stellt zusammen mit einer zentralen Recheneinheit eine funktionelle Einheit dar. Die „Autonomie“ bezieht sich auf den Umstand, dass über das autonome Mikrospenden, automatisch ablaufende Spendenverteilungs, -anpassungs und -regulationsvorgänge vermittelt werden, die deswegen vom Spender nicht direkt, also allenfalls indirekt beeinflusst werden können.
Übersetzt heißt das nichts Anderes, als das mir meine Bank bzw. der Bankzentralrechner automatisch und regelmäßig Geldbeträge für den Jugendtreff als Mikrospenden verbucht, die sich an bestimmten Tagen im Monat auf meinem Konto befinden. Völlig autonomes Spenden, wobei die Beeinflussung eben nicht direkt sondern allenfalls indirekt, also über die einmalige Bereitschaft zu Spenden zu Beginn der Laufzeit erfolgt.
Leider kann man nicht gerade behaupten, dass sich unser autonomes Nervensystem gerade einer euphorischen Publikumswirkung erfreuen kann. Wenn dem so wäre, dann würden die Menschen seit Jahrzehnten bei ihrer Bank automatisiert mikrospenden. Aber wann fanden sie es zuletzt besonders erwähnenswert oder besonders spannend zu atmen oder zu verdauen? Eben. Autonomes Mikrospenden ist jedermanns Sache nicht, da macht den meisten Menschen ihr „freier Wille“ vorher Beine. Und so werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch zukünftig von den meisten Menschen Spenden lieber „frei“ als „autonom“ getätigt. Aber nicht von mir.
PS:
Mikrospenden und noch darüber hinaus "autonomes Mikrospenden" rückt Sympathisanten in die Nähe einer Bankensystemkritik. Für 2 meiner ehemals 10 Twitter-Follower, Adel News und Finanznachrichten.de war dies nicht das passende Thema und das Entfolgen somit eine konsequente Entscheidung. Ich sage: Goodbye.