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Freitag, den 22. April 2011 um 21:39 Uhr

Quantifizierbares, Nicht-Quantifizierbares (Blogbeitrag)

Geschrieben von  connormarc

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mit einem Mitarbeiter der Raiffeisenbank Vorallgäu eG gesprochen. Es ging um eine mögliche, finanzielle Förderung des Jugendtreffs durch die Bank. Für die Bank nichts Neues, vergibt sie doch regelmäßig „Spenden für die Region“, wobei hier auf Antrag hin bei einer Mitgliederversammlung darüber abgestimmt wird, für wen und was gespendet wird. Digital ist hier allenfalls die Kontaktaufnahme via E-Mail und die Antragstellung.

 

 

 

 

 

Und wenn man schon einmal über Bank, Geld und Spenden spricht, kam dann auch im weiteren Verlauf der für mich heute schon ansatzweise wegweisende „Gummersbacher Spendenbarometer“ auf den Tisch. Die naheliegende Frage, solch ein praktisches und übersichtliches Spendenmodul auch bei der Raiffeisenbank Vorallgäu eG für ein regionales Projekt einzusetzen brachte eine Antwort hervor, die ich schon bemerkenswert finde:

 

Generell findet das Prinzip des Fundraising mittels Banken-IT, initiiert und begleitet von einer regionalen Bank schon Anklang aber (frei nach dem Motto: Die Geister, die ich rief):

 

Wenn erst einmal ein Verein anfängt, solch eine (digital gestützte) Sammelaktion zu starten, steht der Zweite mit Sicherheit kurz darauf ebenfalls in den Startlöchern und zieht seinerseits dann weitere Anfragen nach sich usw. usw. Eine regionale Kettenreaktion scheint damit als „böses Omen“ vorprogrammiert. Denn plötzlich müsse man sich als Bank um einige oder sogar einige viele, womöglich auch noch parallel laufende Sammelaktionen kümmern. Wo kämen wir denn da hin?

 

Kurzum stand also die kritische Vorstellung im Raum, man käme bei der Bank dann ja zu nichts anderem mehr als zur Initiierung und Begleitung von regionalen Fundraising-Projekten, sollte man hier einmal die Tür für solch ein Pilotprojekt öffnen.

 

Erinnert hat mich diese Argumentation an ein Gespräch, das ich vor längerer Zeit mit einem kommunalen Vertreter zum Thema „regionales (Bank)Mikrospenden“ geführt habe. Seine Ansicht zur damaligen Zeit:

 

„Je erfolgreicher solch ein Spendenprojekt in der Stadt oder der Gemeinde – desto schlechter für die Banken“.

 

Projiziert wurde auch hier in eine unbekannte Zukunft und zielgerichtet hin auf eine Art „Horrorszenario“ mit unzähligen, nach Spendenbarometern und Subsystemen skandierenden, regionalen Vereinen und Projektinitiatoren.

 

Am Ende stand wieder einmal die Frage: Und was haben eigentlich die Banken davon?

 

Will heißen:

 

Von wegen WinWin. Während sich regionale Projekte womöglich noch über eine erfolgreiche Sammelaktion freuen, kommt die Bank gar nicht mehr nach, neue Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um die (eventuell) folgenden Nachfragen zu bearbeiten. Die Situation scheint vertrackt, denn aus Sicht von Bankvertretern handelt es sich bei dem Argument „Hoher Ressourceneinsatz, der sich nur schwer oder gar nicht als wirtschaftlicher Erfolg messen lässt“ nach wie vor um ein starkes, wenn nicht sogar eines der stärksten „Verhinderungsargumente“.

 

Ein starkes Argument, wenn nicht sogar eines der Stärksten wenn es darum geht, Projekte eben gar nicht erst zu starten. Aber wo liegen die Alternativen? Was ist der Ausweg? An diese Frage lässt sich die Diskussion über Inhalte und Qualität von Banken-Blogs anschließen, nehmen diese doch auch etliche Ressourcen von Banken in Anspruch, die auch anderweitig gut eingesetzt wären. Allerdings ist hier eine Art „Kettenreaktion“ in Gang gekommen wenn man sich vor Augen hält, wie viele Banken noch vor einem Jahr allseits bekannten Social Media Kanälen bedienten. In diesem Zusammenhang antwortet Andreas Liebhart, Vertriebsassistent der Raiffeisenbank Lustenau auf die Frage:

 

Wie sehen Sie die Ergebnisse ihrer Social-Media-Strategie? Lässt sich der Erfolg quantifizieren?

 

„Natürlich ist diese Fragestellung legitim, der Ressourceneinsatz ist ja nicht unbedeutend. Es gibt unterschiedliche Ansätze, was ein Fan oder ein Follower "wert" ist. Ganz klar kann ich sagen, dass unsere Reputation sowohl on- wie offline durch die Aktivitäten im Web 2.0 stark angestiegen ist.  Wir sind in Fachbüchern, Fachvorträgen, diversen Diplomarbeiten und Fachartikeln als positives Beispiel erwähnt worden, dasselbe gilt für zahlreiche Blogeinträge. Die daraus entstehenden Links bringen sicher etwas in SEO-Sicht, das ist aber für mich als Laie im SEO Bereich nicht quantifizierbar.“

 

Hier klingt es also an, das Problem der Quantifizierbarkeit bei einem nicht zu unterschätzenden Ressourceneinsatz mit dem Zusatz, dass dem Thema in Lustenau aber dennoch Raum gegeben wird. Und auch bei der GLS Bank bloggt nicht irgendwer oder irgendwie jeder:

 

"Es gibt ein kleines Blog-Redaktionsteam, das sich aus Verantwortlichen der Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Online-Vertrieb zusammensetzt. Je nach Fragestellung erfolgt für die Artikel oder die Beantwortung der Fragen auch eine Zuarbeit aus den Fachbereichen bzw. Stabsabteilungen. Grundsätzlich gilt das Vieraugenprinzip. Jeder Artikel muss vor der Veröffentlichung von mindestens zwei Personen inhaltlich und formal freigegeben werden. Auch der twitter-Stream wird durch den o.g. Personenkreis gespeist, allerdings liegt hier der Schwerpunkt beim Leiter Online-Vertrieb.“

 

Die Sache mit der Qualität, wenn dann doch irgendwie jeder mit muss und vor allem mit kann und damit eine Frage der Schwerpunkt- und Prioritätensetzung einer jeden Bank. Bloggt der Vorstand, der Leiter, der Assistent, sein Praktikant oder der oder die Auszubildende oder alle? Und was heißt hier eigentlich Qualität? Wer bitte würde behaupten, dass ein Ostergruß im neuen Blog der Sparkasse Augsburg weniger Resonanz nach sich zieht als der Beitrag im innovations- und techniklastigen Blog der Volksbank Bühl?

 

Bad news sind schließlich bekanntermaßen good news und am Ende gewinnt vielleicht gerade der Blog die meiste Aufmerksamkeit, der es am wenigsten richtig macht. Geht man davon aus, dass es so etwas seltsames wie "richtiges Twittern" überhaupt gibt.

 

Ich behaupte mal: (Bald) Jeder macht doch hier irgendwas und hofft irgendwie damit durchzukommen oder wenigstens auf einem „richtigen“ Weg zu sein.

 

Aber zurück zu den regionalen, digitalen Bank-Spendenprojekten der Zukunft.

 

Ich bin der Meinung, hier wird es keine „Kettenreaktionen“ geben, in deren Folge jede Bank irgendwie mitgehen kann a la BlogFacebookTwitterTralala. So einfach wird es nicht. Hier wird es tatsächlich auf den Nachweis einer möglichen, rechnerisch nachvollziehbaren Win-Win-Win Situation, sowohl für die regionale Bank als auch für die Spendenempfänger sowie das Gemeinwesen ankommen.

 

Konkret heißt das ganz einfach: Rechnen, rechnen, rechnen was alle verfügbaren Rechner hergeben. Und das auf zahlreiche Nachkommastellen genau. Es gilt nicht weniger als ein für allemal herauszufinden, ob sich Transaktionen und ein Personal- sowie Verwaltungsaufwand im Allgemeinen mit der Ausgestaltung eines regionalen Spendenprojektes vertragen und ob sich das zusammen rechnen lässt. Verlangt sind an dieser Stelle die „hard-facts“ und nicht etwa die windelweichen, potentiellen Imagegewinne durch was auch immer.

 

Die Resultate dieser Rechenmodelle sollten dann in Folge allen Interessierten offengelegt werden. Wer dann einen noch besseren Vorschlag hat, nur gut.

 

Und wie kann sowas nun gerechnet werden? Ich habe im Grunde keine Ahnung aber wenigstens mal mit Rechnen angefangen: hier und ein wenig hier und hier. Und auch hier und hier.

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