Du bist hier: Startseite - Tagebuch - Wenn der Wind des Wandels weht...
Sonntag, den 15. Juli 2012 um 13:01 Uhr

Wenn der Wind des Wandels weht...

Geschrieben von  connormarc

Für mich als Befürworter der zentralregionalen Subsystem-These bildet der direkte, persönliche Austausch mit Mitarbeitern einer Bank stets ein besonderes Erlebnis. Wann schon besteht die Möglichkeit, einmal „tiefere“ Einblicke in Menschen- bzw. Kundenbilder oder auch Banking-Philosophien aus der „Innensicht“ zu erhaschen, wenn nicht bei Beratungsgesprächen, die vordergründig erst einmal gar nichts mit „Subsystemen“ oder auch "Bank-IT" zu tun haben?

 

 

 

 

 

Jedem Interessierten würde ich folglich sogar ans Herz legen, das anstehende Beratungsgespräch mit „Standard-Thematik“ auch dafür zu nutzen, hinter die Kulissen einer Institution zu blicken, die für mich persönlich auch heute auf der Überzeugung fußt, dass „der Mensch“ und damit auch „der Kunde“ nicht „gut“ sei und folglich „Kontrolle“ und „Sicherheit“ die obersten Leitprinzipien darstellen.

 

Folgender, kurzer aber für mich vielsagender Dialog spielte sich vor kurzem bei einem Beratungsgespräch in einer ländlichen, regionalen Bankfiliale ab:

 

Ich: „Warum halten sich Banken, auch diejenigen mit regionaler, gemeinnütziger Ausrichtung, beim Thema „Soziales Crowdfunding“ oder "genossenschaftliches Crowdfunding" so zurück? Warum werden vorhandene Technologien seitens der Bank nicht auch für solche Zwecke eingesetzt oder modifiziert?

 

Beraterin: Wissen Sie, der Mensch ist nicht gut und es gilt als Bank bzw. IT-Dienstleister, in erster Linie, Sicherheit zu gewährleisten.

 

Nun möchte ich gar nicht behaupten, dass mich die Philosophie, der Mensch, und damit der Kunde sei nicht „gut“, überrascht hat. Im Grunde drehen sich sämtliche Artikel des Mikrospender-Blogs um dieses Thema, was mich also eher bestätigt denn verblüfft hat. Aber, um noch einen Moment hobbyphilosophisch zu bleiben: Auch Bank-Mitarbeiter wissen vermutlich, dass sie sich mit Denk-Modellen, Annahmen und Aussagen darüber, wie der Mensch sei, auf einem äußerst wackligen und brüchigen Fundament bewegen. Wer hier anderer Meinung ist sollte einmal damit beginnen, seiner Bankberaterin auf jede Aussage dieser Art mit einem interessierten „Warum?“ zu antworten.

 

Warum ist der Mensch nicht „gut“, warum ist der Kunde nicht „gut“? Wie viel (auch: technologische) Freiheiten kann eine Bank ihren Kunden einräumen, ohne dass sie sich und andere Kunden gefährdet?

 

Für mich sind Überlegungen zu Fragen dieser Art zentral. Denn irgendwo an der Schnittstelle zwischen Sicherheit und Freiheit siedeln sich auch neuere, elektronische, vorwiegend internetbasierende „Sammelmodelle“ an, die bis dato vorherrschende „Abhängigkeiten“ zwischen Gebern und Nehmern in Frage stellen. Crowdfunding oder eben auch „Soziales Crowdfunding“ sind Ansätze, die Freiheitsverständnisse von Menschen dafür nutzen, diese für einen bestimmten (auch gemeinnützigen) Zweck zu „versammeln“ und dafür anzuregen, gemeinschaftlich Geldmittel einzusetzen.

 

Dies setzt für mich zunächst einmal Vertrauen voraus. Vertrauen in den Menschen mit „sozialem Wesen“. Vertrauen in Menschen, die Technologien dazu nutzen, gemeinschaftlich zu agieren. Vertrauen in Kunden, die Subsysteme in zentralen Bank-Recheneinheiten auch produktiv für das Gemeinwesen und nicht lediglich für deren eigenen Vorteil zu nutzen wissen.

 

Eines liegt doch auf der Hand:

 

So lange Menschen- und Kundenbilder von Bankmitarbeitern auf Annahmen darüber beruhen, wie der Mensch ist, wird dieser vergeblich darauf waren, dass sich Banken technologisch „öffnen“. Wenn sich hingegen die Ansicht durchsetzt, dass Werte tatsächlich Werte schaffen besteht zumindest Hoffnung auf Wandel. Denn bekannterweise bauen die Einen, wenn der Wind des Wandels weht, Mauern, während die Anderen auf Windmühlen setzen.

Einen Kommentar hinterlassen

(*) = Pflichtfelder.
HTML-Code ist erlaubt.